Deutsche Meme-Legenden: Was machen der echte Gangster und Karsten heute?
Ein echter Early Bird der deutschen Meme-Kultur war Norman Kochanowski („Ich bin ein echter Gangster“), der die Pop-Kultur des Internets geprägt hat, bevor es überhaupt Social Media gab. Er und der wild stolpernde Karsten („Was ist denn mit Karsten los?“) sind zwei echte deutsche virale Meme-Klassiker. Wir haben uns mal informiert, was die beiden heute so treiben. Freut euch auf ein Meme-Legenden-Update zur deutschen Internetkultur.
Norman Kochanowski legt eine echte Meme-Karriere hin
Der Start: „Ich bin ein echter Gangster“
2005 gab es weder YouTube noch TikTok, Facebook ist im Jahr zuvor an den Start gegangen. Videos im Internet wurden nur in Foren geteilt. Der 13jährige Norman Kochanowski (geboren am 29.5.1991) ging mit seiner Gangsta-Rapper-Parodie „Ich bin ein echter Gangster“ trotzdem viral, wenn man die Begriffe viral und Meme denn damals schon kannte. Das Video findet ihr auch im Blog-Beitrag zu deutschen Meme-Klassikern.
Die Fortsetzung: „Angry German Kid“ / „Unreal Tournament Kid“
Nur kurz nach dem echten Gangster lud Kochanowski ein Video hoch, in dem er beim Spielen des Computer Games „Unreal Tournament“ ausrastet und sein Keyboard zerstört. Der Clip war inszeniert und als Parodie konzipiert. Die Tastatur war vorher schon kaputt und der Wutausbruch eine reife schauspielerische Leistung.
Das Video verbreitete sich unkontrolliert und wurde noch bekannter als das Gangster-Video. Die Darstellung nahmen viele Viewer für bare Münze, was dazu führte, dass er nicht nur begeisterte Likes, sondern auch eine ganze Menge Hasskommentare bekam.
Die negativen Auswirkungen: Cybermobbing und Distanzierung
Auch viele seriöse Medien hielten das „Angry German Kid“-Video für echt und verstanden die Intention des Memes nicht. Der „Keyboard Crusher“ wurde als warnendes Beispiel für die Gefährlichkeit von Videospielen dargestellt. In der Folge wurde Kochanowski sowohl in der Schule als auch im Cyberspace gemobbt. Er distanzierte sich lange Zeit von dem Video. Trotzdem kann das Video als Vorbild für viele Ausraster-Memes gelten, die gerade in der deutschen Meme-Kultur sehr weit verbreitet sind.
Das Comeback: Angry German Kid Show und Bodybuilding
Nachdem Norman die Folgen des Shitstorms verarbeitet hatte und sich wieder mit dem Video identifizierte, startete er um 2014 die „Angry German Kid Show“, in deren Rahmen er Clips produzierte, die Ausschnitte aus dem Original-Video mit anderen Memes und Animationen kombinierten. Er trat in diesen Clips unter dem Darstellenamen Leopold Slikk auf. 2018 kam es zu einem Re-Release.
Dazu tauchte er 2017 in den sozialen Medien körperlich komplett verwandelt als bodybuildender Rapper „Hercules Beatz“ auf. Er machte mit 110 kg Körpergewicht und 47 cm Bizepsumfang Schlagzeilen. In einem entsprechenden Rap-Video verarbeitet er seine Erfahrungen als kindlicher Internetstar, der Mobbing ausgesetzt war.
Der heutige YouTube-Kanal: Norman Hercules Kochanowski
Unter dem Namen Norman Hercules Kochanowski betreibt der frühere „echte Gangster“ und das „Angry German Kid“ heute einen YouTube-Kanal mit knapp 70.000 Followern (Stand: Oktober 2025). Die Videobeiträge dort greifen seine Jugenderfahrungen auf. Er behandelt aber alle Themen mit einem Augenzwinkern und weist oft genug darauf hin, dass es ihm um Satire und Spaß geht. Mit seiner Vergangenheit hat er sich nach eigener Aussage arrangiert, er trägt den Hatern nichts nach. Zitat: „Sämtliche Hater sind mir vollkommen egal, ob damals oder heute. Die Videos brachten mir viel Geld und mächtig Motivation für alles, was ich heute erreicht habe.“ Es gibt noch einen Instagram-Account, der seinen Namen trägt, von dem aber gemutmaßt wird, dass es ein Fake-Account ist.
„Was ist denn mit Karsten los?“ – Die finale Aufklärung
Recap: Die VOX-Sendung „Wildes Wohnzimmer“
2007 kam es in der VOX-Doku-Soap „Wildes Wohnzimmer“ zu einem Zwischenfall. Karsten Wöllner, der bei sich zu Hause Schlangen züchtet, rannte auf einmal unvermittelt los, torkelte desorientiert durch seine Wohnung und krachte gegen die Wand, wo er zusammensackte. Aus dem Off wurde die Szene vom Sprecher so kommentiert: „Was ist denn mit Karsten los? – Das sieht gar nicht gut aus.“ Dann kam allerdings ein Cut und die Szene wurde nicht richtig aufgelöst. Das Video findet ihr auch in diesem Beitrag.
Virales Echo
Der Video-Clip, der die Szene zeigte, verbreitete sich rasend schnell. Unter den Reaktionen gab es zwei Hauptströmungen: einerseits YouTuber, die die Szene nachstellten, und andererseits etliche Spekulationen, was die Ursache für diesen unkontrollierten Lauf war. Diese Spekulationen reichten von Schlangenbissen bis hin zu „hat sich am Betäubungspfeil geritzt“. Der tatsächliche Hintergrund fand sich unter den kolportierten Theorien auch schon wieder, war aber ein ganz anderer.
Das war wirklich mit Karsten los
In einem kürzlich veröffentlichten Aufklärungsvideo, in dem Karsten vom YouTuber Kannemilsch interviewt wird, beschreibt er seine eigene Sicht der Dinge. Karsten ist Diabetiker. Laut seiner Aussage war die tatsächliche Ursache für die kuriose Szene Unterzucker. Karsten erinnert sich, dass er in der damaligen Situation bereits Anzeichen dafür bemerkt hatte, dass er in die Unterzuckerung geriet, deshalb hatte er sich schon eine kleine Box mit Pralinen geholt. Aber dann ging alles viel zu schnell und er konnte nicht mehr verhindern, dass er die Kontrolle verlor.
Zum Background: Bei Unterzucker bekommt das Gehirn ein Gefahrensignal gesendet und stößt die Adrenalinproduktion an. In der Folge werden Kräfte frei, die in einer Panikreaktion münden können, wobei kurzfristig das logische Denken aussetzt.
Die Diskussion mit dem Sender
Weil in der Serie die Szene nicht aufgelöst wurde, ist es Karsten nachträglich ein Anliegen, der Filmcrew seine Anerkennung auszusprechen. Diese hat ihm damals schnell aufgeholfen, die Lage erfasst und ihm rasch etwas zu essen besorgt. Also alles paletti.
Etwas kritischer beschreibt Karsten die Diskussion mit dem Sender. Man hatte ihn zwar gefragt, ob die Szene in der Sendung gezeigt werden dürfte. Karsten hatte damals zugestimmt, ihm wurde aber nicht die nachvertonte Szene mit den Kommentaren aus dem Off gezeigt. Er hätte es besser gefunden, eine Erklärung nachzuschieben und in dem Zusammenhang auf die Problematik von Diabetes hinzuweisen.
Kein finanzielles Ausschlachten
Karsten wurde in den Jahren seit dem Vorfall oft auf die Szene ausgesprochen, was er dann irgendwann auch einmal als nervig empfand. Ein wenig bereut er, nicht genügend Geschäftsmann gewesen zu sein, um finanziell von der Angelegenheit zu profitieren. Er hätte zudem die Möglichkeit gesehen, stärker auf die Herausforderungen von Diabetikern hinzuweisen. 2007 waren ihm seine Tiere und die Verantwortung für die Tiere wichtiger. Karsten lebt immer noch in demselben Haus in Niedersachsen und ist weiterhin als Schlangenzüchter tätig. Seine Schützlinge könnt ihr auf seinem Facebook-Account, der knapp 5000 Freunde hat, bewundern.
In zwanzig Jahren kann viel passieren, muss aber nicht
Die Meme-Kultur ist schnelllebig, aber einige Klassiker sterben nie. Norman Kochanowski war vor zwanzig Jahren ein Teenager, fast noch ein Kind. Er hat sich definitiv weiterentwickelt, baut aber mit seinem YouTube-Kanal auf den alten Geschichten auf. Karsten führt das gleiche Leben wie früher, auch wenn ihn das Meme gelegentlich einholt. Ob ein Meme viral geht oder gar zum Klassiker wird, lässt sich im Vorfeld schwer planen. Aber vielleicht schaut ihr mal auf Babas Youtube-Kanal vorbei und gönnt euch frische Memes. Wer weiß, vielleicht seid ihr da ja Zeugen, wie ein neuer Meme-Klassiker entsteht? Die Zeit wird es zeigen.
