Amerikanischer Meme-Klassiker: Karen
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Manche Memes, die in den USA viral gehen, kommen in Deutschland nicht so richtig an. Eines davon ist die Sache mit Karen. Wer ist Karen, werdet ihr fragen? Genau das ist das Problem. Karen ist keine konkrete Person, sondern ein Synonym. Sie ist ein Sinnbild für eine weiße, privilegierte Frau, die vollkommen egoistisch durch die Welt geistert.
Karen, who the f*ck is Karen?
“I want to speak to the manager”, das ist das häufigste Zitat, das der typischen Karen zugeschrieben wird. Karen ist mit nichts und niemandem zufrieden und hat an allem etwas auszusetzen. Sie ist die Verkörperung des klassischen Nörglers und Beschwerdeführers. Es wäre aber zu einfach, Karen auf diesen einen Aspekt zu reduzieren. Denn eigentlich ist es noch schlimmer. Sie ist außerdem latent oder offen rassistisch und vollkommen unfähig zur Selbstreflexion, stellt sich aber selbst in den Mittelpunkt.
Quelle: thunderdungeon.com
Die Kundin aus der Hölle
Ein paar Stereotype zu Karen: Karen fragt im Gemüseladen nach Fleisch und möchte den Geschäftsführer sprechen, wenn kein Fleisch verkauft wird. Sie tankt Diesel, obwohl ihr Auto Benzin braucht, und gibt dem Tankwart die Schuld. Sie parkt auf Behinderten-Parkplätzen und regt sich auf, wenn sie einen Strafzettel bekommt. Sie ruft die Polizei, wenn in der Nachbarschaft eine Party steigt und sie nicht eingeladen wurde. Oder wenn jemand in der Nähe ihres Hauses WWB ist. (WWB steht für „walking while black“ und ist ein Synonym für Racial Profiling). Karen macht kleine Angestellte zur Sau und stellt sie vor ihren Chefs bloß.

Quelle: thunderdungeon.com/
Ein paar Meme-Highlights zu Karen
Bevor wir uns den Hintergründen des Karen-Meme-Phänomens widmen, werfen wir einen Blick auf ein paar Meme-Klassiker, die in den USA durchaus viral gegangen sind.
Karen, die wütende Kundin
Das meistgenutzte Stereotyp ist das der wütenden Kundin, die sich mit Angestellten anlegt.

Quelle: static.boredpanda.com

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Quelle: static.boredpanda.com
Das ist eine Zumutung
Karens fordern zwar andauernd law-and-order-mäßig die Beachtung von Regeln ein, haben aber ein Problem damit, wenn es sie selbst betrifft.

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Der latente Rassismus
Das folgende Meme erklärt sich von selbst. Das Traurige daran ist, dass die zugrundeliegende Situation keine Comedy-Situation ist, sondern durchaus real sein kann. Man kann sich das auch in Deutschland vorstellen, auch wenn wir hier keine Karen haben.

Quelle: static.boredpanda.com
Wo kommen die Karen Memes her?
Bilder-Memes machen sich über Karens lustig. Sie basieren auf etlichen Videos und Videosammlungen auf YouTube und TikTok, die die sogenannten „Karen Freakouts“ in eher „dokumentarischem“ Stil zeigen, der aber auch lustig ist. Ein Beispiel gibt es hier:
Das Phänomen gibt es bereits seit ein paar Jahren. Es lässt sich als kulturelle Eigenart mit dem Aufkommen des Trumpismus verknüpfen, nahm aber besonders während der Corona-Pandemie an Fahrt auf. Die Frauen, die in den Videos gezeigt werden, sind weiße Frauen mittleren Alters. Weil Karen in den 1970er Jahren ein beliebter Vorname war, hat sich exakt dieser Name als Oberbegriff der Meme-Kategorie festgesetzt.

Quelle: static.boredpanda.com
Die Background-Story zu den Karen Memes: Kulturkampf pur
In einem 11-minütigen Filmbeitrag beleuchtet Arte die Hintergründe zu den Karen Memes. Hier wird besonders auf ein Karen Freakout-Video fokussiert, welches vor ein paar Jahren viral gegangen ist. Darin hat ein nicht-weißer Hausbesitzer in einem Nobelviertel in San Francisco auf seine Hausmauer „Black Lives Matter“ geschrieben, um an den den ermordeten George Floyd zu erinnern. Eine vorbeikommende weiße Frau konnte sich nicht vorstellen, dass dem Mann das große Haus gehörte und mutmaßte, dass er fremdes Eigentum beschmierte. Sie drohte, die Polizei zu rufen. Der Hausbesitzer veröffentlichte das Video und wurde in mehrere Talkshows eingeladen, um seine Sicht der Dinge zu erläutern.
Im Nachgang zu dem viralen Karen-Video verabschiedete der Stadtrat von San Francisco den sogenannten CAREN-Act (Caution Against Racial Exploitative Non-emergencies). Danach sind „rassistisch motivierte Anrufe bei der Polizei, die keine Notfälle darstellen, verboten.“ Racial Profiling wurde also unter Strafe gestellt.
Sind Karen Memes sexistisch?
Die Tatsache, dass die Karen Videos und Memes nur Frauen zeigen, hat zu dem Vorwurf geführt, dass sie sexistisch sind. Es gibt kein männliches Gegenstück zur weiblichen Karen. Die Diskussion darüber ist durchaus kontrovers. Wer sich bei Karen Memes über Sexismus beschwert, dem wird u.a. entgegengehalten, dass er/sie selbst eine Karen ist.
Sicherlich gibt es im realen Leben auch männliche Karens. Aber es ist schon problematisch, dass das Freakout-Verhalten als hysterisch und typisch weiblich gebrandmarkt wird. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte. Denn die Grundaussage der Memes ist es nicht, Frauen anzuprangern, sondern eine Verhaltensweise, die auf die Herabwürdigung und Diskriminierung anderer abzielt.

Quelle: awholenewbreed.com
Karen Memes: amerikanische Besonderheit oder nicht?
Karen Memes stellen eine amerikanische Besonderheit dar. Selbst deutschsprachige Compilations, die sich dem Thema widmen, greifen hauptsächlich englischsprachiges Material auf. Ähnliche Memes oder Videos aus dem deutschsprachigen Raum gibt es zwar auch, aber es fehlt diese griffige Kategorisierung, die in einem einzigen Vornamen gipfelt. Btw, die beliebtesten weiblichen Vornamen der 1970er Jahre in Deutschland waren Stephanie, Nicole und Kathrin. Wenn du auf lustige und witzige Video-Memes stehst, dann schau doch unbedingt mal auf Babas Youtube-Kanal vorbei und lasse dort ein paar hochgereckte Daumen da.